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Herkunft, Bedeutung, Wappen der Familie Breitling

Auszug aus dem Stammbaum der Familie Breitling in Württemberg

Allgemeines:

Kurz nach dem Kriege kam mir aus der Landesbibliothek das zweibändige Werk von Baur, Fischer und Lenz: „Menschliche Erblichkeitslehre und Rassenhygiene" in die Hände. Der überaus packende Inhalt dieses Buches hat mich veranlaßt, nach meiner eigenen Abstammung zu forschen; und so ist in langjähriger Arbeit, namentlich während meiner Ferien, der vorliegende Stammbaum entstanden. Die einzelnen Familien habe ich entweder selbst aus den Kirchenbüchern herausgeschrieben oder die Familienregister-Auszüge durch die Pfarrämter ausstellen lassen, weil ich die betrübliche Erfahrung machte, daß Anfragen bei -Verwandten entweder gar nicht oder oft lückenhaft beantwortet wurden. Ich weiß daß dieser Stammbaum noch manche Lücken und wahrscheinlich auch Fehler ausweist, weil ich nun endlich einmal Schluß machen wollte: Ich bin aber jedermann sehr dankbar, der mir etwas noch Fehlendes und Fehlerhaftes mitteilt.

Herkunft:

Das älteste Vorkommen des Namens Breitling fand ich in einer Urkunde des Klosters Hirsau, wo 1433 ein Claus und ein Jörg Braitling als Pächter von Klostergütern aufgeführt sind. 1477 zinst in Hechingen ein Hans Rentz an das Kloster Hirsau aus einer Wiese, die zwischen des Endrissen und des Bröttlik Wiese gelegen ist. Vor 1447 hat Liennhart Bretling zu Stammheim/Calw Cornz Rotackers Hof zu erheblichem Bestand, der dem Abt Bernhard zu Hirsau gehört. Ein Lagerbuch der geistlichen Verwaltung Calw nennt 1461 einen Hennslin Brötling in Hechingen. 1482 ist Lienhart Brötling Schultheiß zu Stammheim, auch ein Laurentz Bröttling zu Stammheim ist in diesem Lagerbuch des Klosters Hirsau genannt. Dem Kloster Reutin zinst 1525 ein Jörg Brettling in Hechingen. 1567 ist ein Bernhart Braitling Schultheiß in Döffingen und 1580 ist Peter Brötling Inhaber der Buoben Mühlin zu Döffingen. (Der Name Peter Breitling ist heute noch eingemeißelt zu sehen über dem Kellereingang dieser Mühle.) 1579 ist als leibeigen ein Martin Breitling in Magstadt aufgeführt. In welchem verwandtschaftlichen Zusammenhang diese an verschiedenen Orten lebenden Breitling zu einander standen, ist nicht mehr nachweisbar. Eine sicher nachweisbare Stammfolge war erst möglich durch die 1559 in Württemberg eingeführten Kirchenbücher, die Herzog Christoph in seiner großen Kirchenordnung anordnete. In Hechingen/Calw, als dem sehr wahrscheinlichen Stammort der Breitling, beginnt das Ehebuch 1566, das Taufbuch 1574 und das Totenbuch 1577. Von Hechingen aus verbreiteten sich die Breitling schon Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts nach Dachtel und Deufringen, später nach Böblingen, Magstadt, Döffingen, Sindelfingen, Möttlingen. Heute sind sie über ganz Europa und Amerika zerstreut, am dichtesten sitzen sie aber immer noch in ihrer ursprünglichen Heimat als Bauern und Handwerker.

Bedeutung:

Der Name Breitling hat mit breit nichts zu tun. Förstemanns Altdeutsches Namensbuch führt den Namen auf Britling (Brit=Zügel) zurück, was die bäuerliche Herkunft des Namens erklären würde. Ich bin aber der Ansicht, das Breitling=Eigenbrödler (Mundart: Dagebraitler) zu suchen ist. Weil 1. die ursprüngliche Schreibweise des Namens, teilweise bis ins 16. Jahrhundert, Brödling oder Brötling oder Breitling war und weil 2. Ein Eintrag im Deufringer Kirchenbuch deutlich zeigt, daß diese Bedeutung des Namens Breitling damals noch sehr lebendig war. Dem Hannß Hauser, Kuchenbeck und seiner Ehefrau Maria wurde am 06.03.1687 ein Sohn getauft namens Hanß Jacob; Gevater waren Magister J. L. Schlotterbeck, Pfarrer und Anna Kathrine Breittlerin, die Müllerin. Auch Ephorus Dr. Rudolf Kapff in Urach hat dieser Deutung des Namens Breitling zugestimmt. Die Schreibweise des Namens war früher sehr verschieden: Bretling, Brettling, Brödling, Brötling, Brödling, Bröttling, Braitling, Braittling, Brantling, Braithling, Braidling, Breüttling; heute wird allgemein Breitling geschrieben.

Wappen:

Ein Wappen führten früher nur die Adligen. Bürgerlichen wurde ein Wappen verliehen, wenn sie richterliche Gewalt ausübten, also Urkunden zu siegeln hatten. Weil nun Breitling ein rein bäuerliches Geschlecht ist, so wurde auch keinem Breitling ein Wappen verliehen. Trotzdem hat Eugen Kurz, Wappen- und Gravieranstalt in Ulm, 2. Breitling-Wappen in seinem Zangerschen Wappenwerk, das eine „Reichswappen", und das andere „Schwäbisch", deren Ursprung er aber nicht nachweisen kann. Wahrscheinlich hat einmal im 19. Jahrhundert, als die Wappen auch bei den Bürgerlichen stark in Mode kamen, ein Breitling sich ein Wappen von einem Wappenmaler herstellen lassen. Der Inhalt dieser beiden Wappen ist der gleiche, nur die Felder sind vertauscht. Der ganze Stamm Breitling ist evangelisch-lutherisch. Außer in Württemberg gibt es noch einen größeren katholischen Stamm Breitling in der Rheinpfalz. Ein Zusammenhang war bisher nicht nachweisbar.


Geschrieben von Christian Heinrich Breitling, Reallehrer in Stuttgart, Stuttgart 1933

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